Xiangqi in Braunschweig

Chinesisches Schach zwischen Harz und Heide

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Gut, dass man mich nicht gefragt hat…

Verfasst am Dienstag, 12. September 2006 von Andreas Klein

Ein verspäteter Bericht über den Sommerpokal 2006

pokal_k.jpgAm 15. und 16. Juli traf sich die deutsche Xiangqi-Gemeinde zum Abschluss der Saison 2005/2006 in Berlin. Neben dem offenen Sommerpokal stand natürlich vor allem die Endrunde um die Deutsche Einzelmeisterschaft im Mittelpunkt. Über die vier Bundesligaturniere in Hannover, Nürnberg, Magdeburg und Gießen hatten sich die fünf besten Spieler des Landes für dieses Turnier qualifiziert. Eigentlich hätte es einer mehr sein sollen, aber der sechste Qualifizierte, Jörn Tessen, wollte sich verständlicherweise als Ausrichter der Endrunde die Doppelbelastung einer DEM-Teilnahme nicht antun. Da die Nachfrage bei einigen potentiellen Nachrückern erfolglos blieb, wurde die DEM dieses Jahr zum zweiten Mal nach 1998 mit einer ungeraden Teilnehmerzahl ausgetragen.

Im Vorfeld und in Berlin konnte ich mir ein paar Kommentare nicht verkneifen, da man ausgerechnet mich nicht gefragt hatte, ob ich an einer DEM-Teilnahme Interesse hätte, obwohl ich die Bundesligasaison immerhin als 14. die Qualifikantenliste abgeschlossen hatte - von insgesamt 19 Spielern, die in die Wertung gekommen waren :-) Allerdings hätte ich wohl ohnehin zunächst darauf verzichten müssen, denn die endgültige Entscheidung, ob ich überhaupt nach Berlin würde fahren können, fiel aus beruflichen Gründen erst am 14. Juli.

Da ich mich also auch nicht um eine Unterkunft kümmern konnte, fuhr ich am Samstag recht früh los, um vor Turnierbeginn noch schnell beim von Jörn empfohlenen Hotel vorbeizuschauen. Das Schachcafé “en passant”, zentral am Prenzlauer Berg auf der Schönhauser Allee gelegen, war schnell gefunden, doch unerfreulicherweise wurde ich am Hotel, das gerade gegenüber auf der anderen Strassenseite lag, von einem Hinweiszettel begrüsst: “We are fully booked”. Leider war die Love-Parade just an diesem Wochenende nach Berlin zurückgekehrt. Ein weiteres Hotel in der näheren Umgebung hatte auch kein Zimmer mehr frei, so dass ich mir vor Beginn der ersten Runde schon ausrechnete, was es ausser Nerven noch kosten würde, über Nacht nach Salzgitter zurückzufahren.

Zum Sommerpokal hatten sich erfreuliche 16 Teilnehmer angemeldet, was eine Steigerung um ein Drittel gegenüber dem Halbkugelnpokal in Magdeburg vor einem Jahr bedeutete. Auch in der Spitze war das Turnier deutlich stärker besetzt: vorne weg die beiden ehemaligen Deutschen Meister Norbert Schäfer (Ingo 114) und Karsten Hoffarth (130) sowie Jörn Tessen (137), Bastian Gollmar (140) und Reinhard Knab (156), so dass ich mir als Setzlisten-Sechster mit Ingo 167 nur Aussenseiterchancen ausrechnen konnte. Eine Wiederholung des Ergebnisses aus dem Vorjahr, in dem ich mit 5/7 ungeschlagen Dritter wurde, war daher eigentlich nicht zu erwarten. Gespielt wurden auch dieses Jahr wieder sieben Runden Schweizer System mit einer Bedenkzeit von je 45 Minuten pro Spieler und Partie.

Trotz der ungeklärten Zimmerfrage konnte ich in der ersten Runde meiner Favoritenrolle gerecht werden. Allerdings musste ich gegen Christian Kluthe einen kurzen Moment des Schreckens überstehen, nachdem ich ohne grösseres Nachdenken 19.- Wb6 gespielt hatte. Erst als ich den Wagen schon losgelassen hatte, sprang mir die Antwort 20. Pxe8! ins Auge. Ganz bitter wäre danach das Verspeisen des roten Wagens gewesen: 20.- Wxe6?? 21. Pc9+ Fe9 22. Wh9 Pg9 23. Wxg9 und matt! Aber was soll ich sonst spielen? Wenn ich das Pferd e8 schlage, dann hängt doch mein Wagen auf b6, ach nein, Glück gehabt, der rote Wagen ist ja durch die Kanone e7 gefesselt. Also geht einfach 20.- Exe8, z.B. 21. Wxe8+ Lfe9 22. Wxe7 Pxe7 23. Wxb6 und Schwarz verbleibt mit zwei Pferden im Plus. Aber man kann nicht gerade sagen, dass ich das schon bei 19.- Wb6 gesehen habe. ::Partie nachspielen::

Nach der Partie holte mich dann die Unterkunftsfrage wieder ein. In dem Hotel, in dem die Lingener untergebracht waren, hätte es noch genau ein Zimmer gegeben, aber irgendwas um die 140 Euro fand ich dann doch ein wenig zu happig. Als Retter erwies sich schliesslich Reinhard, der mir nicht nur die Nummer seines Hotels gab, sondern auch den Vorschlag machte, dass man ja zur Not auch ein weiteres Bett in sein Zimmer stellen könne, falls für mich keines mehr frei sein sollte. Die freundliche Dame auf der anderen Seite hatte zunächst auch nur die Standardantwort dieses Tages parat, aber als ich ihr Reinhards Idee unterbreitete, versprach sie mir, dass sie mich zurückrufen würde, nachdem sie diese Frage geklärt hätte. Der Rückruf liess bis zum Beginn der zweiten Runde auf sich warten, aber Jörn als Turnierleiter und Norbert als mein nächster Gegner bestanden freundlicherweise nicht auf der Übertragung einer ominösen FIDE-Regel auf das chinesische Schach, so dass ich die Partie mit eingeschaltetem Handy beginnen konnte. Bereits nach zwei Zügen klingelte es, überraschenderweise war sogar noch ein eigenes Zimmer für mich frei, so dass das Turnier jetzt endlich richtig beginnen konnte!

berlin06_schaefer_ch_k.jpgUnd man kann wirklich sagen, dass das Turnier für mich jetzt richtig begann! Immerhin sass mir mit Norbert Schäfer der Deutsche Meister des Jahres 1999 gegenüber, aber es kam dann doch ganz anders als man erwartet hätte. Fragt mich nicht woran es lag, vielleicht konnte ich nach Klärung der Zimmerfrage einfach unbeschwerter aufspielen, wer weiss. Jedenfalls spielte Norbert in der Eröffnung ungenau, so dass ich ihm bei weiterhin starker Druckstellung beide Elefanten abgraupeln konnte. Leider wurde der positive Gesamteindruck von meinem Spiel in dieser Partie dann zu Hause von XieXie 2.4.0 (im Folgenden kurz “die Kiste” genannt) unsanft zunichte gemacht. In der Diagrammstellung rechts dachte ich nämlich, dass die schwarze Stellung sturmreif wäre und zog daher 19. Wxf8??. Ich hatte zwar richtig gesehen, dass nach 19.- Lxf8 20. Pxf8+ sowohl 20.- Ff10 21. Wxd10+ (noch stärker ist 21. Kf3+) 21.- Ff9 22. Wd9+ Fxf8 23. Wxg9 als auch 20.- Fe9 21. Wc9+ Fe8 22. Wxg9 nicht gehen. Aber die Kiste fängt wild an zu blinken und möchte 20.- Wf9! spielen, wonach die Stellung für Rot vielleicht immer noch in Ordnung ist wegen der geschwächten schwarzen Königsstellung, aber die Qualle ist erstmal weg. Norbert hat mir jedenfalls Wxf8 geglaubt, wonach ihm einfach eine Figur fehlte und der Rest für Rot nicht mehr so schwierig zu spielen war. ::Partie nachspielen::

Was für ein Auftakt! Aber es blieb nicht viel Zeit, sich über diese Sensation zu freuen, denn in der dritten Runde sass mir gleich der nächste Deutsche Ex-Meister gegenüber: Karsten Hoffarth konnte den Titel in den Jahren 2002 und 2003 gewinnen. Aber auch Karsten streute in der Eröffnung einen sehr ungenauen Zug ein (8.- Pf6??), wonach ich gleich wieder richtig riesig stand. In der Folge übersah ich aber bei 11. Pe4, dass er einfach mit 11.- Pf2 mein Pferd auf e4 angreifen und zugleich Pd3+ drohen konnte. Auch wenn die Kiste die Stellung immer noch als klar vorteilhaft für Rot einschätzt, so war die Partie hier psychologisch schon gegen mich entschieden. Zu dem von Karsten nach der Partie vorgeschlagenen 12. Pd6 konnte ich mich wegen des Schachs auf d3 nicht durchringen, obwohl das trotz der komischen Königsstellung gut für Rot gewesen wäre. Aber auch mein 12. Wa2 findet noch das Wohlwollen der Kiste, die erst meinen nächsten Zug 13. Wah2?? mit zwei Fragezeichen bedenkt. Die Idee ist zwar prinzipiell richtig, aber erst muss 13. Sxe8! kommen, z.B. 13.- Exe8 14. Kxe8+ Ff10 15. Ece3 und die Minusfigur wird durch die aktive Aufstellung der anderen Figuren mehr als kompensiert, oder 13.- Kd6 14. Sxe9+! Lxe9 15. Wah2! und anders als in der Partie kann Schwarz jetzt nicht auf c5 nehmen! Nachdem ich diese Feinheiten übersehen hatte, war die Partie kurz darauf hinüber. Na ja, ein Start mit drei aus drei, unter anderem gegen die beiden Setzlistenersten, wäre dann wohl doch zu viel des Guten gewesen. ::Partie nachspielen::

berlin06_wu_ch_k.jpgDie vierte Runde bescherte mir die einzige Dame des Feldes, Wu Cai Fang. Unsere letzte Partie in Nürnberg hatte ich nur mit viel Glück, genauer gesagt eigentlich nur auf Zeit gewonnen, von daher war klar, dass es eine schwierige Partie werden würde. Ich war auch zunächst über weite Strecken mit meiner Stellung nicht zufrieden, denn wenn man Züge wie z.B. 21. Kxe7 (mit Schach!) einfach übersieht, dann ärgert man sich schon, auch wenn die Kiste das alles nicht so verbissen sieht. Jedenfalls konnte ich schliesslich nach 32.- Wg7 die links abgebildete Gewinnstellung erreichen, bei allerdings nur noch zwei oder drei Minuten Restbedenkzeit. Aber auch die knappe Zeit ist eigentlich keine Entschuldigung für die nun folgende Schlussabwicklung, die vielleicht wenigstens einen gewissen Unterhaltungswert hat: 33. Eeg5?? (Mit 33. Fe1 hält man sich laut Kiste ein wenig länger.) 33.- Wgxg5?? (Ein ganz toller Zug! Man muss ja vielleicht das Matt nach 33.- Wh1+ 34. Eg1 Wxg1+ 35. Ff2 Pe4+ 36. Ee3 W7g2+ 37. Ff3 Wh1 nebst Wh3# nicht sehen, aber den Wagen auf dem Elefantenfeld einzustellen, indem man dort einen Elefanten rausschlägt, das ist schon ziemlich bitter. Es ist zudem ausserordentlich ungerecht, dass die Stellung immer noch gewonnen bleibt!) 34. Exg5 Pe4?! (Dass ich den nur gespielt habe, um den Wagen auf f6 anzugreifen, dürfte klar sein. Ansonsten wäre 34.- Wh1+ 35. Ff2 Pe4+ 36. Ee3 Wh2+ 37. Ff3 Pxf6 nebst Matt eine echte Alternative gewesen.) 35. Wf4 35. Fe1 hätte auch nicht mehr wirklich geholfen, aber jetzt folgte noch reflexartig 35.- Wh1+, und nachdem der Wagen dann dort so stand, dachte ich plötzlich: wo geht denn der Feldherr jetzt hin? Ganz grosses Schach! ::Partie nachspielen::

Ein hektisches Ende eines hektischen Tages. Der Stand an der Tabellenspitze sah nach den ersten vier Runden so aus: alleiniger Erster Karsten Hoffarth mit 3,5 Punkten, dahinter mit je drei Punkten Bastian Gollmar (ebenfalls noch ungeschlagen), Kees Greben, Norbert Schäfer und ich. Für Spannung am Sonntag war also weiterhin gesorgt. Der Samstag klang dann in gemütlicher Runde in einem Biergarten aus, natürlich nicht ohne die eine oder andere Bemerkung meinerseits, dass es gewisse Xiangqifreunde gegeben hätte, die prinzipiell gern dafür gesorgt hätten, dass das Rundenturnier um die DEM mit einer geraden Teilnehmerzahl hätte ausgetragen werden können. Diese “Beschwerde” hatte aber in Anbetracht des unerwartet erfolgreichen ersten Tages schon einiges an Ernsthaftigkeit eingebüsst.

Der Sonntagmorgen kam dann wohl zu schnell, denn in der fünften Runde gegen Bastian Gollmar muss ich irgendwann zwischendurch mal richtig eingeschlafen sein. Als ich im 23. Zug das Mitschreiben einstellte, dürfte die Zeitverteilung in etwa bei vier gegenüber fünfzehn Minuten gelegen haben, und es war noch nicht viel mehr passiert, als dass ich zwei Soldaten mitgenommen hatte. Den interessanteren Teil der Partie habe ich leider auch zu Hause nicht mehr zusammenbekommen, die letzte verbürgte Stellung sieht jedenfalls noch recht harmlos aus. Aber danach setzte Bastian mich auf meiner linken Seite immer mehr unter Druck, irgendwann waren alle seine drei Figuren in bedrohlicher Palastnähe in meine Stellung eingedrungen, und es dürfte reines Glück gewesen sein, dass ich diesen Ansturm überlebt habe. Bei seinen Angriffsbemühungen hatte er allerdings auch seinen grossen Zeitvorteil ins Geschäft gesteckt, und als er mir Remis anbot, waren kurz zuvor die Wagen getauscht worden, die Zeiten auf ca. 2:1 Minuten zu meinen Gunsten gekippt, und zudem konnte ich ihm just in jenem Zug mit Kxc7 den dritten Soldaten entnehmen. Also wurde das Remisangebot guten Gewissens abgelehnt, und kurz darauf, als ihm bereits der erste Leibwächter anhanden gekommen wäre, fiel dann seine Platte. Es scheint also auch im Xiangqi manchmal auszureichen, wenn man sich einfach nur hinten reinstellt. ::Partie nachspielen::

berlin06_greben_ch_k.jpgDie sechste Runde bescherte mir meine kürzeste Partie des Turniers. Kees Greben, der wie schon im Vorjahr die Anreise aus den Niederlanden auf sich genommen hatte, war am Samstag mit drei Punkten weit über seiner Ingoerwartung gestartet. In unserer Partie kam mir aber spätestens sein Zug 7. Sa5 unnötig passiv vor (die Kiste würde einfach 7. Pxe7 spielen), so dass ich gleich meinte, zum aktiven 7.- Wb5 greifen zu müssen. Ich hatte auch die nächsten beiden Züge 8. Kh5 Sg6 9. Pxe7 Wxg5 “vorausberechnet” und die Stellung als recht günstig für mich eingeschätzt (siehe Diagramm rechts). Seine Antwort 10. Ki5 liess mich dann aber doch kurz schlucken, denn den hatte ich nicht gesehen. Da jetzt der Wagen auf i10 und das Pferd auf c8 hängen, dauerte es einige Zeit, bis ich die Fassung wiedergewonnen hatte. Dann stellte ich aber fest, dass alles noch im Lot ist, denn nach 10.- Wh10 kann Rot zwar auf c8 schlagen, aber Si6 gewinnt die Figur sofort zurück, wonach auch die Kiste meine Stellung als minimal vorteilhaft einstuft. Kees schob aber stattdessen den Zwischenzug 11. Ei3?? ein, der die Partie sofort einstellt. Nach 11.- Kh1+ 12. Fe2 (Auf 12. Le2 gibt die Kiste 12.- Wg1+ 13. Lf1 Wg2+ 14. Eg1! [deckt den Wagen auf i2!] 14.- Wxg1 15. Pxc8 Wh5 mit klarem Vorteil für Schwarz an) 12.- Wgh5! (wegen der Mattdrohung auf h2 ist das Pferd c8 jetzt tabu) 13. Fd2?? (auch nach 13. Wf2 hat Schwarz sehr grossen Vorteil) 13.- Pd6+ 14. Kd3 Pxe4+ und Rot gab auf. ::Partie nachspielen::

Am Spitzenbrett der sechsten Runde gewann Norbert gegen Karsten und nahm ihm damit die Tabellenführung ab. Ich lag nach Wertung auf dem zweiten Platz und bekam in der letzten Runde das schwerstmögliche Los: mit Schwarz gegen Jörn Tessen. Nach 1. Khe3 Pc8 2. Pg3 überlegte ich kurz, ob ich mich mit 2.- Kf8 wieder auf die langen und scharfen Theorievarianten einlassen sollte, die ich schon in Gießen gegen Jörn verloren hatte, und die wir in etlichen Partien auf brainking.com exerziert hatten. Einer spontanen Eingebung folgend erinnerte ich mich, dass Norbert gegen mich 2.- Sg6 gespielt hatte, und da seine Niederlage nicht an diesem Zug lag, entschloss ich mich es ihm gleichzutun. Leider lief ich genau mit dieser Abweichung in eine Heimanalyse, die auf dem sehr hübschen Manöver Kb3-b5-i5 beruht. Ich konnte mich während der Partie nicht zu 6.- Kxh9 7. Kxi10 durchringen, weil ich nicht sah, wie ich die Kanone auf i10 jemals wieder loswerden würde. Die Kiste schlägt eine Idee vor, die recht gekünstelt aussieht und auf die man erstmal kommen muss: 7.- Wb10 8. Wa2! Wb5! 9. Wh2 Kb5. Na ja, vielleicht besser als 6.- Ki8, wonach ich eine sehr gedrückte Stellung erhielt, die ich nur mit Mühe zusammenhalten konnte. Aber nach und nach verlor Jörn den Faden, und bei knapper werdender Zeit unterliess er es, nach 22.- Wb2 die zweite Reihe zuzumachen. Mit 23. Lfe2 Wd2 24. Ea3 oder 23. Lde2 wäre die Partie sicher zu halten gewesen, und selbst nach 23. Wxe4? Wc9 wäre 24. Pe2 Ke9 25. Wf7! Kxe4 26. Wf4 zwar unerfreulich, aber vielleicht noch spielbar gewesen. Erst nach dem Zwischenzug 24. Wc7? war die Partie endgültig entschieden. ::Partie nachspielen::

siegerehrung_k.jpgUnmittelbar nach Beendigung der Partie gegen Jörn flüsterte mir jemand zu, dass mein Sieg vermutlich sogar zum Gewinn des Sommerpokals reichen würde. Ein Blick auf die letzte noch laufende Partie zwischen Bastian und Norbert liess mich tatsächlich darauf hoffen. Bastian hatte einen weit vorgerückten Mehrsoldaten und stand zumindest klar besser. Die Schlussphase dieser Partie wurde dann allerdings zu einer grösseren Zitterpartie als wenn ich selbst gespielt hätte. Beide hatten nur noch wenige Minuten, und ich konnte kaum glauben, mit welcher Seelenruhe vor allem Bastian über jeden Zug nachdachte. Kurz nachdem ich ans Brett kam, bot Norbert Remis an, was mir zum Turniersieg gereicht hätte, aber verständlicherweise lehnte Bastian hier noch ab. In der Folge konnte er Norberts Königsstellung aber nicht entscheidend schwächen, und bei einem dieser Gewinnversuche kam ihm plötzlich sein Freisoldat abhanden. Bei beiderseitig hängenden Blättchen bot nun Bastian seinerseits Remis an, das Norbert durch Ziehen ablehnt. Gegenzug Bastian, dann wieder Norbert, der während der Ausführung “OK” sagt, trotzdem noch die Uhr drückt, und just in diesem Moment fällt Bastians Platte. Ein sehr schöner Fall für einen Schiedsrichterlehrgang, aber Jörn musste nichts entscheiden, denn Norbert liess ohne grosse Diskussionen ein Remis eintragen, obwohl ihn das den Turniersieg gekostet hat. Vielen Dank, Norbert, für diese sportliche Einstellung, ich weiss nicht, ob ich in der Hitze des Gefechts genauso gelassen reagiert hätte.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch noch einmal bei Jörn (auf dem Foto rechts neben mir), der die DEM nebst Begleitturnier zum ersten Mal nach Berlin geholt hat, und der auf Anhieb ein sehr schönes Turnier mit guten Spielbedingungen auf die Beine gestellt hat. Bei der Siegerehrung war der Tisch mit den Preisen üppig befüllt, so dass jeder ein nettes Präsent mit nach Hause nehmen konnte, und ich muss auch sagen, dass sich der Pokal für den Sieg im Sommerpokal in meinem Wohnzimmer sehr gut macht! Das Schlusswort dieses Berichts hat Jörn, der mich während der Siegerehrung gehörig unter Druck gesetzt hat: der Sieger des Begleitturniers zur DEM 2005, Weng Hanming (übrigens auf dem Foto rechts im Profil zu sehen, stehend daneben der alte und neue Deutsche Meister, Zhang Zhang), hat es in diesem Jahr auf Anhieb zum Deutschen Vizemeister gebracht. Ich glaube zwar nicht, dass das auch nur annähernd realistisch ist, aber als Ziel hört es sich nicht schlecht an, und im Nachhinein bin ich mehr als froh, dass man mich nicht schon dieses Jahr gefragt hat, ob ich nicht der sechste Mann bei der DEM sein möchte ;-)

Endstand DEM

Pl. Name Ingo 1 2 3 4 5 Punkte
1. Zhang Zhang 92 ** ½ 1 ½ 1 3
2. Weng Hanming 116 ½ ** ½ ½ 1
3. Nägler Michael 113 0 ½ ** 1 ½ 2
4. Schmidt-Brauns Joachim 125 ½ ½ 0 ** ½
5. Tempelmann Claus 120 0 0 ½ ½ ** 1

Endstand Sommerpokal

Pl. Name Ingo 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Pkt Bch
1. Klein Andreas 167 ** 1 0 1 1 1     1             1 6 26½
2. Schäfer Norbert 114 0 ** 1 ½ 1 1 1         1         30
3. Hoffarth Karsten 130 1 0 ** ½ ½   1   1 1             5 29½
4. Gollmar Bastian 140 0 ½ ½ **   ½ ½ 1     1           4 31½
5. Wu Cai Fang 186 0 0 ½   ** ½       1 1   1       4 29½
6. Tessen Jörn 137 0 0   ½ ½ **   1 1         1     4 28½
7. Knab Reinhard 156   0 0 ½     **   1 ½       1 1   4 24
8. Reinders Rudi 169       0   0   ** 0   1   1 1 1   4 20½
9. Greben Kees 208 0   0     0 0 1 ** 1           1 3 27
10. Weinhold Stephan 207     0   0   ½   0 **   ½   1 1   3 22½
11. Rama Hendrik 236       0 0     0     ** 1 0   1 1 3 20½
12. Schmidt Martin 187   0               ½ 0 ** 0 1 ½ 1 3 19
13. Lißner Joachim           0     0     1 1 ** 0 0 1 3 18½
14. Gruber Andreas             0 0 0   0   0 1 **   1 2 22
15. Böttcher Hans 277             0 0   0 0 ½ 1   ** 0 21
16. Kluthe Christian 300 0               0   0 0 0 0 1 ** 1 21½

Einsortiert in Partien, Turniere |

3 Kommentare

  1. Andreas Klein

    Hier noch zwei Nachträge:

    ein Link auf die Seite von Stosszahn Franken, wo Reinhard Knab einige Partien der DEM online gestellt hat: http://www.stosszahn-franken.de/turniere/dem2006.html

    und die von Siegfried Huber erstellten Ingoauswertungen:

    Deutsche Xiangqi-Meisterschaft, Berlin 07/2006
    ----------------------------------------------
    
    Pl Spieler                F-alt  Pkte. Niv EW  H  F-neu  (*ELO) Wrtg.
    ---------------------------------------------------------------------
     1 Zhang Zhang             92-16 3 /4  119 3   94  92-17 (2056)  4:1
     2 Weng Hanming           116-3  2½/4  113 2  100 111-4  (1923)  2:1
     3 Michael Nägler         113-71 2 /4  113 2  113 113-72 (1909)  4:1
     4 Joachim Schmidt-Brauns 125-43 1½/4  110 1½ 123 125-44 (1825)  4:1
     5 Claus Tempelmann       120-59 1 /4  112 1½ 137 123-60 (1839)  4:1
    ---------------------------------------------------------------------
    
    Sommerpokal, Berlin 07/2006
    ---------------------------
    
    Pl Spieler          F-alt  Pkte. Niv. EW  H   F-neu  (*ELO) Wrtg.
    -----------------------------------------------------------------
     1 Andreas Klein    167-13 6 /7  162  3  126! 144-14 (1692) Sond.
     2 Norbert Schäfer  114-57 5½/7  145  5½ 117  115-58 (1895)  3:1
     3 Karsten Hoffarth 130-49 5 /7  154  5  132  130-50 (1790)  3:1
     4 Bastian Gollmar  140-23 4 /7  146  4  139  140-24 (1720)  3:1
     5 Wu Cai Fang      186-21 4 /7  174  2½ 167  181-22 (1433)  3:1
     6 Jörn Tessen      137-35 4 /7  158  5  151  140-36 (1720)  3:1
     7 Reinhard Knab    156-23 4 /7  173  4½ 165  158-24 (1594)  3:1
     8 Rudi Reinders    169-33 4 /7  194  5½ 187  173-34 (1489)  3:1
     9 Kees Greben      208-1  3 /7  181  1½ 188  198-2  (1314)  1:1
    10 Stephan Weinhold 207-1  3 /7  197  3  204  205-2  (1265)  1:1
    11 Hendrik Rama     236-4  3 /7  220  2½ 227  231-5  (1083)  1:1
    12 Martin Schmidt   187-1  3 /7  216  5½ 223  205-2  (1265)  1:1
    13 Joachim Lißner    ----  3 /7  225     233  233-1  (1069) F1=H
    14 Andreas Gruber    ----  2 /7  204     226  226-1  (1118) F1=H
    15 Hans Böttcher    277-8  1½/7  240  1  268  274-9  ( 782)  2:1
    16 Christian Kluthe 300-1os1 /7  254   ½ 290  295-2  ( 635)  1:1
    -----------------------------------------------------------------
    
  2. Andreas Klein

    Jörn hat mich gestern auf einen Link auf der Seite des XiangQi e.V. Berlin aufmerksam gemacht. Unter dem Stichpunkt “Sommerpokal 2006″ bekommt man 38 Fotos, auch von der DEM, zu sehen. Ich habe mal nicht direkt auf die Fotoseite verlinkt, weil Modemnutzer vielleicht doch ein wenig Geduld brauchen, bis sich die Seite mit ihren mehr als 5 MB aufgebaut hat :)

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