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Mittwoch, 15. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Am Morgen setzte sich die Unentschiedenserie fort. Wir trauten uns nicht das russische Experiment zu wiederholen und spielten gegen Finnland mit Fangyao am ersten und Jörn am zweiten Brett. Als ich ca. 1:45 nach Spielbeginn den Spielsaal betrat, war bei Jörn gegen Mikko Törnqvist gerade erst kurz zuvor der erste Soldat geschlagen worden. Jouni Rämö hatte gegen Fangyao einen Wagen gegen zwei Figuren geopfert. Nur eine halbe Stunde später waren dann bereits beide Partien beendet. Zunächst setzte sich am ersten Brett Fangyaos Wagen durch, und dann konnte Jörn die komplexe Stellung in Zeitnot nicht mehr unter Kontrolle halten, so dass wir erneut mit einem 1:1 zufrieden sein mussten. Oh, jetzt habe ich Jörns Vorgabe nicht ganz umgesetzt. Ich sollte eigentlich nur schreiben: “Jörn hat verdient gegen Törnqvist verloren.”.
Am Nachmittag konnten wir dann endlich unseren ersten Mannschaftssieg einfahren, und das sogar trotz Wiederholung des riskanten russischen Experiments. Allerdings war dies gegen die bisher punktlosen Ukrainer fast schon wieder ein bißchen zu einfach. Eine frühe Kombination meines Gegners Oleksandr Pylypchuk ging nach hinten los, denn er hatte übersehen, dass er mattgesetzt wird anstatt eine Qualle zu gewinnen. Auch Jörn war gegen Viktor Shevchuk bereits nach gut 20 Zügen fertig, weil dieser im Grunde gar nichts gemacht hat und nur Jörn spielen ließ. Gegen den gleichen Gegner hatten Jörn und ich im Einzel bzw. Schnellschach bedeutend mehr Schwierigkeiten.
Morgen früh geht es für uns gegen die punktgleichen Briten um die Spitzenposition unter den europäischen Mannschaften, da die einen Punkt vor uns liegenden Franzosen gegen China spielen müssen.
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Dienstag, 14. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Der Kampf heute früh gegen Russland darf als missglücktes Experiment bezeichnet werden. Wir traten ohne Fangyao an, mit der vielleicht leicht überheblichen Überzeugung, dass es “auch so” reichen würde. Jörn stand zwar mit Rot die ganze Partie über besser gegen Dmitriy Gladishev, aber aus der Kanone in der e-Linie, die die schwarze Verteidigung unter Kontrolle hatte, war leider außer optischem Eindruck nichts herauszuschinden. Jörns Wagen und Pferd waren als Unterstützung nicht ausreichend, denn Schwarz konnte seine Grundreihe decken und vor allem Jörns Pferd von den Feldern fernhalten, auf denen heikle Schachgebote gedroht hätten. Schließlich willigte Jörn in eine Zugwiederholung ein, da Schwarz eine unangenehme Gegendrohung gegen den roten Mittelsoldaten aufstellen konnte. Man kann von Glück sagen, dass mein Gegner Sergey Galochkin kurz zuvor das einfache 18. Wh10+ übersehen hatte, wonach ich fast schon hätte aufgeben können. In der Eröffnung hatte ich schon keine Ideen, aber 17.- Pf6?? ist natürlich ein ganz fürchterlicher Zug. Mit dem 1:1 sind wir also sehr gut bedient.
Am Nachmittag saß Fangyao dann gegen Australien wieder am Brett, aber nach 35 Minuten und 14 Zügen war schon wieder fertig und hatte uns gegen Haifeng Pan mit 1:0 in Führung gebracht. Danach hat er tapfer fast 3 Stunden lang ausgeharrt, bis ich nach 96 Zügen meine anfänglich sogar sehr vielversprechende Partie gegen Zhang Gaoyang zum Verlust verdaddelt hatte. Bis 22.- Exg6 hatte ich noch so halbwegs die Kontrolle über das Spiel, 23. Se6 war dann gleich eingestellt, weil ich Ke8 übersehen hatte. Umgehend hat er sich dann mit dem Zulassen eines ähnlichen Motivs revanchiert, 26. Ke5! gewinnt quasi zwei Soldaten bei sehr guter Stellung. Ab diesem Zeitpunkt war ich dann aber unter auf zwei Minuten Restbedenkzeit (gegen mehr als 30), so dass auch die zusätzlichen dreißig Sekunden Zuschlag pro Zug nur die Zeitüberschreitung verhindert haben, aber nicht mehr zuließen, dass ich einfachste taktische Schläge auch nur erahnt habe, beginnend bei 29.- Pxe3! Dieser Elefanteneinsteller war zum Glück nicht tödlich, aber die kleinen Ungenauigkeiten häuften sich und spätestens als ich schließlich sein Pferd wieder ins Spiel kommen ließ, war vermutlich der Wendepunkt erreicht. Genau hier hätte ich mit 47. Pc5! (statt Sd6) eine hübsche Bindung der schwarzen Kanonen erreichen können, die dann beide nicht mehr ohne weiteren Abtausch hätten ziehen können. So kam es wie es kommen musste, auch gegen Australien hat es nur zum 1:1 gereicht.
Die Aufstellung für das Prestigeduell gegen Finnland morgen früh darf ich hier noch nicht verraten…
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Montag, 13. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Die deutsche Mannschaft ist heute mit einem Unentschieden und einer Niederlage in den Mannschaftswettbewerb gestartet. Am Morgen gegen Kanada brachte uns Fangyao gegen William L. Fong bereits nach zwölf Zügen in Führung. Leider gelang Leo Kei Cheong Lau gegen Jörn nach nur 17 Zügen der Ausgleich. Am Nachmittag gegen Holland war ebenfalls Fangyao zuerst fertig. Gegen Wang Huichuan konnte er diesmal aber nichts Zählbares aus der Eröffnung herausholen, so dass er die Partie nach einigen Abtäuschen Remis gab. Meine Partie gegen Ye Rongguang könnt ihr euch unten selbst anschauen, da war sicherlich über weite Strecken der halbe Punkt für das eigene und das Mannschaftsremis drin. Andererseits hat er als der klar stärkere Spieler Drohungen aufgestellt, die ich als der klar schlechtere Spieler nicht alle parieren konnte, von daher darf ich mich nicht beklagen. Vor allem dann nicht, wenn ich mit noch sieben bis acht Minuten auf der Uhr so einfache Züge wie 27. Pd8+ übersehe. Morgen früh gegen Russland muss das besser werden…
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Sonntag, 12. Oktober 2008 von
Andreas Klein
In den letzten beiden Tagen habe ich noch weniger Zeit im Spielsaal verbracht, zudem hat mich der Ausflug zur Großen Mauer gestern doch ziemlich mitgenommen, daher hier nur eine Kurzzusammenfassung der letzten beiden Turniertage. In der siebten Runde konnte sich Fangyao gegen P.Luckboonyoung aus Großbritannien durchsetzen, und auch Jörn gewann gegen den Ukrainer Viktor Shevchuk. Allerdings hätte er wohl auch verlieren können, denn sein Gegner opferte zunächst einen Wagen gegen eine Figur und erhielt dafür Druck in der Mittellinie. Dieser Druck hätte zum Rückgewinn des Materials führen können, wonach Jörn nach eigener Aussage wegen seines passiven Pferds wohl auf Verlust gestanden hätte.
Am Nachmittag erzielte Fangyao dann ein Remis gegen den starken Thailänder Vithaya Jiraparkdeepan und Jörn war chancenlos gegen Phung Kim Dang aus Frankreich. In der Schlußrunde kam Jörn ums offizielle Freilos herum, aber Aqil Abdul Qader aus den Vereinigten Arabischen Emiraten schaffte gerade mal 13 Züge, bevor er die Zeit überschritten hatte. Fangyao spielte noch ein weiteres Remis gegen den mehrfachen Europameister Nicolas Dang aus Frankreich, war damit aber überhaupt nicht zufrieden. Die Partie könnt ihr weiter unten selbst nachspielen.
Morgen beginnt dann unser letztes Turnier, der Mannschaftswettbewerb der Männer. Wir treffen in der ersten Runde auf Kanada, wobei Jörn mit Schwarz gegen Leo Kei Cheong Lau spielt und Fangyao Rot hat gegen William L. Fong.
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Donnerstag, 9. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Heute kann ich noch weniger berichten als gestern, denn zum einen gab es am Vormittag wegen des Aufeinandertreffens von Jörn und Fangyao eine deutsche Partie weniger und zum anderen war der Nachmittag den Hinterlassenschaften der Kaiserinwitwe Cixi gewidmet. Mein ursprünglicher Plan, den Bericht aus diesen Gründen auf Jörn abzuwälzen, scheiterte daran, dass er recht deprimiert war, weil er sowohl am Vormittag gegen Fangyao als auch am Nachmittag gegen den Finnen Jouni Rämö auf Gewinn stand und dennoch am Ende nichts Zählbares vorzuweisen hatte. Auch Fangyao ist mit seinem Tag nicht zufrieden, denn neben dem glücklichen Sieg gegen Jörn setzte es in der zweiten Runde des Tages eine Niederlage gegen den Kambodschaner Heng Chamnan. Fangyao konnte beim Abendessen noch gar nicht sagen, wo er seinen Fehler gemacht hatte.
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Mittwoch, 8. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Am Vormittag mussten wir leider zwei Niederlagen hinnehmen. Fangyao bekam bereits den dritten Gegner aus einer der führenden Xiangqi-Nationen vorgesetzt. Gegen Nguyen Hoang Lam aus Vietnam kam er wieder schlecht aus der Eröffnung und im Gegensatz zur ersten Partie konnte er sich nicht befreien. Jörn hingegen stand nach der Eröffnung gegen Yi Kam Siu aus Honduras klar besser und hätte vermutlich sogar eine Figur gewinnen können. Er griff aber von der falschen Seite aus an, so dass sein Gegner Materialverlust vermeiden konnte. Später ging dann die Initiative auf Yi über, aber auch in dieser Phase hat Fangyao in der Analyse nach der Partie noch Remiswege gefunden, was Jörn leider bei knapper werdender Zeit nicht gelang.
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Dienstag, 7. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Damit ihr überprüfen könnt, ob ich Fangyaos Partien von gestern richtig beschrieben habe, hier beide zum Nachspielen:
1. Runde: Pu Fangyao gegen Yang Dhung Yu
1. Khe3 Pg8 2. Pg3 Wh10 3. Wh1 Kh4 4. Sc5 Sg6 5. Lfe2 Ece8 6. Pc3 Pd9 7. Wa2 Sc6 8. Sxc6 Kc8 9. Wd2 Pb8 10. Wd8 Wc10 11. Sc7 Kxc3 12. Wxb8 Wxc7 13. Wb5 Wh6 14. Sa5 Kc5 15. Se5 Kc2 16. Ked3 Pf6 17. Se6 Sxe6 18. Wf5 Sg5 19. Sxg5 Khc4 20. Ege3 Wxh1+ 21. Pxh1 Ph7 22. Pg3 We7 23. Wf4 Kc10 24. Wc4 Kb2 25. Eg1 Wb7 26. Kbc3 Kxc3 27. Wxc3 Pxg5 28. Wc5 Pf7 29. Ph5 Pe5 30. Ke3 Pg4 31. Pf4 Wb6 32. Wg5 Ph2 33. Wxg10 Se5 34. Wg8 Lfe9 35. Kxe8+ Lf8 36. Pg6 Wf6 37. Pxf8+ Fe9 38. Kc8 Wf7 39. Pg10+ Fe10 40. Wg6 Kb4 41. Wg2 Kb2 42. Lf3 Kb6 43. Kh8 Ke6+ 44. Lde2 Sf5+ 45. Ece3 Le9 46. Kh10+ Lf10 47. Ph8+ 1-0
2. Runde: Hong Zhi gegen Pu Fangyao
1. Sc5 Ece8 2. Kbe3 Pc8 3. Pc3 Pg8 4. Sg5 Wb10 5. Wb1 Wi9 6. Pg3 Wd9 7. Ki3 Kb4 8. Wh1 Kh4 9. Pf5 Kc4 10. Wxb10 Pxb10 11. Pxe7 Pxe7 12. Kxe7+ Lde9 13. Ece3 Pc8 14. Kexi7 Sg6 15. Se5 Wd4 16. Sxg6 Pe7 17. Sf6 Pf5 18. Si5 Ki4 19. Kf7 Ph4 20. Wh3 Sc6 21. Sxc6 Exc6 22. Lde2 Ece8 23. Ki2 Ec10 24. Kh2 Fd10 25. See6 Ki1 26. Kxh4 Kxh4 27. Sa5 Wc4 28. Ke7 Wb4 29. Sd6 Khi4 30. Wi3 Kh1 31. Ke4 Kf4 32. Wh3 Ki1 33. Wh1 Ki2 34. Wh4 Wc4 35. Wxf4 Wxc3 36. Ke7 Wc7 37. Wd4 1-0
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Dienstag, 7. Oktober 2008 von
Andreas Klein
Heute begann das Einzelturnier der Männer, an dem für Deutschland Pu Fangyao und Jörn Tessen teilnehmen. Im Grunde handelt es sich auch um ein Schnellturnier, denn die Bedenkzeit beträgt 60 Minuten pro Partie und jeder Zug bringt 30 zusätzliche Sekunden. Die Grundbedenkzeit liegt also noch mal zwanzig Minuten niedriger als bei der WM 2007 in Macao. Ebenso wie in Macao wird Gastgeber China vertreten durch Xu Yinchuan und Hong Zhi, die in Siegfrieds Ingorangliste die Plätze eins und drei einnehmen. Am anderen Ende der Skala der 49 Teilnehmer gibt es laut Hörensagen aber auch Teilnehmer aus Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die erst vor zwei bis drei Wochen die Regeln gelernt haben.
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